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Chronik der Kanuabteilung

Abteilungsgeschichte

Vorgeschichte

Was für eine verwegene Idee, in einer Gegend, wo es nur einige wenige Karpfenweiher und die Schwabach gibt und weit und breit keine kanutauglichen Gewässer, einen Kanuverein zu gründen. Aber Konrad Schweigert hatte sie. Als langjähriger Wanderpaddler, der mit seiner Familie damals schon viele deutsche Flüsse befahren hatte, war er schon in seiner Kindheit durch das Turnvereinsmitglied, Dr. Sitzmann, der das erste Kanu in den 30-er Jahren nach Heilsbronn gebracht hatte, auf den Geschmack gekommen.

Als Jugendleiter des Turnvereins studierte Konrad Schweigert einige Jahre u. a. Volkstänze mit den Jugendlichen ein, wie Sirtaki oder Hava Nagila und viele Gruppentänze. In den Sommerferien organisierte er Freizeiten für Jugendliche im Bayerischen Wald, in Regen/Raithmühle, wo mit den Jugendlichen viel gewandert, gespielt und gesungen wurde.
Kanusport war von ihm von Anfang an nie als Wettkampfsport geplant, sondern als Breiten- und Familiensport, in dem es nicht auf Millimeter, Hundertstelsekunden oder Haltungsnoten ankommt. Wer einmal auf dem Wasser war, kennt das tolle Gefühl, mit der Strömung einen Fluss hinunter zu gleiten, die Natur hautnah zu erleben, Vögel am Uferrand zu beobachten, die Stille zu genießen, Naturlandschaften kennen zu lernen, wo man sonst nicht hinkäme, aber auch Kulturlandschaften und interessante Städte, Burgen, Denkmäler zu besuchen. Man trifft auf Menschen und Sportsfreunde mit vielerlei Dialekten, die man sonst nie getroffen hätte. Kanufahren ist Sport, Herausforderung, man kann aber auch dabei singen, meditieren, entschleunigen und zu sich selbst finden.
Trotz der fortschreitenden Bebauung und Umweltzersiedelung, trotz Staustufen, Kraftwerken und Begradigungen gibt es sie noch: naturbelassene Bäche und Flüsse, die für diesen Sport begeistern!

10 Goldene Regeln

 


 

Gründung 1.4.1969 – 1989

Abteilungsleiter Konrad Schweigert „unser Boss“

Am 8.3.1969 wurde die Kanuabteilung des Turnvereins gegründet. Am 12.4.1969 wurde diese Abteilung mit Turnratsbeschluss als „Abteilung Kanu“ in den TV 1896 Heilsbronn e. V. aufgenommen und ab dem 1.4.1969 somit gleichzeitig in den Deutschen Kanuverband (DKV), um damit in den Schutz der Sportunfallversicherung zu gelangen.

Deutsche Kanuverband Kanufahren im Verein

Es waren 10 Gründungsmitglieder:
Gertler Kurt,
Kohl Heidi,
Kohl Martin,
Kohl Rupert,
Rauhut Jutta,
Schweigert Konrad,
Schweigert Rosemarie,
Teubner, Helmut,
Teubner Maria und
Wilfert Horst.

Als Jugendliche unter 18 Jahren waren dabei: Elfriede Wagner, geb. Schweigert, und Erich Schweigert.

Die Mitglieder wollten kein abgekapselter Verein innerhalb des TV sein, sondern fühlten sich als kanufahrende Turner, wie andere Ski fahren und bergwandern.
In der Abteilung gab es damals 5 Faltboote und 3 Kunststoffboote.

Der erste Wanderwart war Rupert Kohl, der bereits 1966 mit einer Jugendgruppe unter der Leitung von Konrad Schweigert die TID (Tour International Danubien) von Wien bis Baja (südliche Grenze von Ungarn) mitgefahren war und so zum begeisterten Kanuten geworden war. Gleich im ersten Jahr des Bestehens der Kanuabteilung fuhr Rupert Kohl 1.219 Flusskilometer und bekam das Wanderfahrerabzeichen des Deutschen Kanu Verbandes DKV in Bronze.

Budapester Parlament, 1966

(Budapester Parlament, 1966)
In den nun folgenden Jahren wurden den Mitgliedern der Kanuabteilung Wildwasser und Slalom-Lehrgänge, z. B. auf der Jagst, Wiesent und auf dem Regen, angeboten, um sich auch auf schwierigeren Gewässern sicher zu bewegen. Im Hallenbad von Dietenhofen wurden in den Wintermonaten die Kenterrolle und Lebensrettungsübungen trainiert. Ein Erste-Hilfe-Kurs ergänzte die Fortbildung. Für den Ernstfall wurde ein speziell ausgerüsteter Notfallkoffer angeschafft.

Training 1985 (1)
Training 1985 (2)

(Training 1985)
Jeweils im Frühjahr wurden Jahreshauptversammlungen abgehalten, in denen ein Rückblick auf das vergangene Jahr gegeben wurde, Planungen für das neue Jahr gemacht wurden und die Geselligkeit gepflegt wurde. Oft wurde in Diavorträgen über die vergangenen Fahrten berichtet oder über Bootsausrüstung, Bootsbergung und Unfallverhalten informiert. Die Mitglieder der Kanuabteilung beteiligten sich auch rege an den Turnstunden. Um den Zusammenhalt und die Einsatzbereitschaft für den TV zu zeigen, beteiligten sie sich u. a. an der Glücksbude beim Faschingsball, aus deren Erlös ein weiteres Vereinsboot gekauft werden konnte.
Befahrene Flüsse 1969/1970: Altmühl, Donau, Lech, Main, Inn, Isar, fränkische Rezat, Regen, Rhein, Salzach, Tiroler Ache, Wiesent, Wörnitz

 


 

17.6.1971 Bootstaufe am Weiterndorfer Weiher

Die erste Bootstaufe fand im Juni 1971 am Weiterndorfer Weiher statt, bei der acht Boote getauft wurden und etliche Paddler die Äquatortaufe erhielten. Ein Vereinsboot wurde auf den Namen „Unser Master“ nach dem Ehrengast, Dr. Sitzmann, benannt. Neptun persönlich war mit seiner Meerjungfrau anwesend und nahm die Taufen vor.

Bootstaufe 1971 Bootstaufe 1971 (2)

Diese Veranstaltung war ein großer Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit der Kanuabteilung. Viele Heilsbronner fanden den Weg zum Weiher, um an diesem bisher einmaligen Event im Ort teilzunehmen. Anschließend hatten die Kinder Gelegenheit, auch mal im Boot mitzufahren. Für Verköstigung war gesorgt und so verlief der Nachmittag sehr erfolgreich
Am 20.6.1971 feierte der Turnverein 1896 Heilsbronn sein 75-jähriges Bestehen und veranstaltete für den Turngau Ansbach das 77. Gauturnfest. Die Kanuabteilung beteiligte sich am Festzug durch das Städtchen.

Vereins- und Gruppenfahrten 1971: Ammer, Donau, Inn, Main, Mosel, Püttlach, Saar, Ziller.

Durch rege Teilnahme an Lehrgängen und Trainingsfahrten konnten einige Paddler inzwischen auch schweres Wildwasser bewältigen (bis Wildwasser 5).
Der Verein besaß jetzt zwei Kunststoff-Einer und einen Zweier-Kanadier („Dicker“)
Nachdem Rupert Kohl aus beruflichen Gründen zurückgetreten war, wurde 1972 Martin Kohl, ausgebildeter Fahrtenleiter, zum neuen Wanderwart gewählt. In diesem Jahr fand eine große Vereinsfahrt mit 22 Paddlern und Gästen aus dem Turnrat auf der Donau (Flammende Donau) statt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der neue Zweier-Kanadier auf den Namen „Dicker“ getauft.

Konrad Schweigert hier mit Hans Weber, langjähriger Turnwart und Ehrenmitglied des Turnvereins

(Konrad Schweigert hier mit Hans Weber, langjähriger Turnwart und Ehrenmitglied des Turnvereins)

 


 

1973: Nach zweijährigem hartnäckigem Schriftwechsel mit dem Deutschen Kanuverband nach einem Wanderfahrer-Wettbewerb auf dem Rhein 1970 wurde unserer Kanuabteilung ein Wildwasser-Abfahrtsboot zuerkannt! Die Freude war groß.

Die gemeinsamen Fahrten wurden in den kommenden Jahren etwas weniger, da viele Familien nicht mehr in Heilsbronn wohnten, mit Nachwuchs oder mit Häusle bauen beschäftigt waren. Der Verein bestand inzwischen aus 21 Erwachsenen und 2 Jugendlichen.

Es wurden 6.460 km gefahren u. a. auf der Ardéche, Bibert, Bodensee, Donau, Inn, Isere, Main, Pegnitz, Rhone, Rodach, Werra. Vier ganz wagemutige Paddler nahmen am Weser-Marathon teil: 135 km an einem Tag! Das Ergebnis war unter anderem ein durchgescheuertes Sitzfleisch und Blasen an den Händen (das kriegen nicht nur die Reckturner!).

Im Jahr 1974 fanden Neuwahlen statt: 1. Abteilungsleiter: Konrad Schweigert, Vize-Admiral: Horst Wilfert, Wanderwart: Oskar Bollmann, der in Frankreich sogar an einem Bootsbaulehrgang teilgenommen hatte. Dankenswerterweise stellte er außerdem für die Vereinsboote all die Jahre eine Unterstellmöglichkeit zur Verfügung.

 


 

Fahrten 1974 – 1979

Die Heilsbronner Kanuten strömten in den nun folgenden Jahren in alle Himmelsrichtungen aus, um alle Gewässer zu befahren, solange noch „eine Handbreit Wasser unterm Kiel“ war und die Paddel nicht links und rechts im Ufer stecken blieben. Es gibt wahrscheinlich kein Gewässer, auf dem nicht Heilsbronner Boote auftauchten, Wildwasser, Zahmwasser, Seen, Meer. Wenn es der Beruf und die Familie zuließen, konnten viele schöne Flussfahrten in der Freizeit unternommen werden, natürlich immer abhängig vom Wetter, Wasserstand und vielem mehr. In diesen Jahren entstand eine verlässliche Gemeinschaft unter den Paddlern, man hatte viel Spaß und schöne Paddelerlebnisse, aber auch feuchtfröhliche Abende am Lagerfeuer oder im gemütlichen Gasthaus.

Es wurde immer gesungen, besonders wenn Helga dabei war. Als langjährige Chorsängerin kennt sie alle Volks- und Gaudilieder aus der Mundorgel. Unser Boss hatte seine Musikbox (Mundharmonika) dabei und spielte dazu.

Paddeln war nicht nur Kampf mit dem Gegenwind, Regen, Kälte und nassen Klamotten sondern auch ...

…die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, im Paket zusammenhängen und vespern, Witze erzählen, still sein, singen und Gaudi haben. Die Boote, die das Pech hatten, auf der Außenseite zu treiben, mussten dabei immer steuern, damit man nicht am Ufer in den Brennesseln hängen blieb.
Gefahrene Gewässer: Adria, Altmühl, Alz, Donau, Dordogne, Drau, Fränk. Rezat, Iller, Inn, Isar, Lahn, Loire, Main, Mosel, Neckar, Pegnitz, Rednitz, Regen, Rhein, Rhone, Salzach, Sächs. Saale, Saar, Vils, Werra, Weser, Wiesent.
Wildwasser: Ammer, Lech, Schwarzer Regen. Allein im Jahr 1978 wurden 5281 km gepaddelt.
Diese Aufzählung lässt nur erahnen, welch schöne Flussfahrten sich dahinter verbergen!

 


1979: Die Kanuabteilung feiert ihr 10-jähriges Jubiläum

Anlässlich der Jahreshauptversammlung am 24.3.1979 feierte die Kanuabteilung ihr 10-jähriges Bestehen mit 24 erwachsenen und vier jugendlichen Mitgliedern, die in insgesamt 30 Booten unterwegs waren. In einem Dia-Vortrag „10 Jahre Kanuabteilung“ ließ man die gemeinsamen Flussfahrten und Erlebnisse nochmals Revue passieren. Erfolgreichster Fahrer war in diesem Jahr zum dritten Mal Oskar Bollmann, der damit den Wanderpokal endgültig für sich gewinnen konnte.

Abteilungsleiter: Konrad Schweigert
2. Abteilungsleiter:
1974 - 1978: Horst Wilfert
1978 - ?: Kurt Gertler

Wanderwarte:
1969 - 1972: Rupert Kohl
1972 - 1974: Martin Kohl
1974 - 1993: Oskar Bollmann

Wildwasserwanderwarte:
1978 - 1985: Helmut Teubner
1986 - 1994: Stefan Knörr

Neben den Vereins- und Gruppenfahrten setzten sich die Mitglieder für die Jugendarbeit ein, warben um Neuzugänge, organisierten Bootsfahren auf dem Weiterndorfer Weiher innerhalb des Ferienprogramms der Stadt Heilsbronn, schrieben Artikel für die Presse, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, und nahmen an den Veranstaltungen der Stadt teil, wie Schwimmmeisterschaften und Festzügen. Die Vorstandschaft des Turnvereins wurde durch Protokolle der Jahreshauptversammlungen über die Aktivitäten der Kanuabteilung informiert. Sie unterstützte die Kanuabteilung tatkräftig u. a. durch die Stiftung von Booten.

Dank guter Kontakte stiftete die Sparkasse einige Male Wanderpokale, die immer dem fleißigsten Paddler des Jahres überreicht wurden. Nach dem 3. Mal ging der Pokal dann in seinen Besitz über.

 


1979 - 1989

In den folgenden Jahren wurden mal weniger, mal mehr Flusskilometer gepaddelt, immer abhängig vom Wetter und vielen anderen privaten oder beruflichen Faktoren. In den Wintermonaten fand regelmäßig das Hallenbadtraining in Dietenhofen statt. Die Kanuten erkundeten u. a. die Flüsse Altmühl, Amper, Isar, Jagst, Lahn, Leinleiter, Mosel, Nahe, Neckar, Schwarzer Regen, Wiesent.

1980 wurde der Verein durch 6 Jugendliche verstärkt, die an Jugendlehrfahrten auf der Donau und Wiesent teilnahmen und stetig ihre Kanuerfahrungen weiter ausbauen konnten, bis sie auch an Wildwasserlehrgängen teilnahmen und bald den oberen Lech, die Ammer, die Tiroler Ache, die obere Isar und die Kössener Ache befahren konnten. Später ergänzten sie ihr Können durch einen Slalom-Lehrgang.

Abpaddeln 1981

Die Wanderfahrer bevorzugten ruhigere Gewässer im In- und Ausland: Allier, Alz, Altmühl, Bodensee, Breitach, Donau, Iller, Inn, Jagst, Lech, Leutasch, Loire, Main, Naab, Neusiedler See, Regnitz, Rhein, Rodach, Salzach, Tarne, Vils, Wörnitz, Wörther See.

Die Abteilung pflegte aber auch den Zusammenhalt unter den Kanuten z. B. mit einem Besuch am 4. Advent 1980 bei dem Pfarrerehepaar Bernd und Liselotte Feldner in Windelsbach bei Rothenburg in Begleitung des Posaunenchors Heilsbronn, der in der Kirche den Gottesdienst mitgestaltete. Danach saß man gemütlich bei einem gemeinsamen Essen zusammen und beschenkte die Kinder zum Advent.

1982 wurde die 850 Jahrfeier von Heilsbronn mit der Teilnahme am Festzug begangen. Anlässlich der Hochzeit von Gerhard Roth und Erika Schrödel standen die Kanuten selbstverständlich mit ihren Paddeln Spalier am Münster Heilsbronn.

Jedes Jahr wurden Fahrtenbücher geführt, die geprüft und aus Versicherungsschutzgründen abgezeichnet wurden. Für alle gefahrenen Flusskilometer gab es z. B. das Wanderfahrerabzeichen des DKV für Oskar Bollmann zum 6. Mal mit 613 km, wofür er den Wanderpokal gewann. Konrad Schweigert erfüllte die Bedingungen für das Wanderfahrerabzeichen zum 15. Mal. Helga Ehrlich bekam das WFA in Silber für 3.469 km als erste Dame der Abteilung.

Impressionen Pegnitz 1982

1983 fand die zweite Bootstaufe am 12. Juni am Weiterndorfer Weiher statt. Es wurden 10 Boote und fünf Kanuten getauft. Der Turnverein stiftete ein neues Wildwasserboot (Prijon Taifun).

Bootstaufe 1983

Die Kanuabteilung bestand nun aus 37 Erwachsenen, 3 Jugendlichen, und besaß 33 mitgliedseigene Boote und 3 Vereinsboote.
Ein beliebter Brauch war jeden Winter eine „Karpfenwanderung“ nach Steinbach b. Bruckberg, Haag oder Aich, an der fast alle Mitglieder teilnahmen. Dazu baute Oskar Bollmann im Wald eine rustikale Waldschänke, wo heißer Tee für die Kinder oder Feuerwasser für die Erwachsenen ausgeschenkt wurde, bis es weiter ging zum Mittagessen.

(Man beachte die genialen Waldschänkehocker…)

 


1985

1985 bekam unsere Kanuabteilung Verstärkung durch unseren Paddlerfreund Fritz Hahn aus Muhr am See, der die Kilometerleistung sofort in die Höhe schnellen ließ. Von 5.011 km gingen allein 2.704 km auf sein Konto. 1987 war Fritz Hahn mit 3.077 km erfolgreichster Fahrer des Bezirks Mittelfranken, Zweiter in ganz Bayern. Dafür erhielt er zum 3. Mal den Wanderpokal, der nun sein Eigentum wurde. Er fuhr dreimal die komplette TID (Donau) bis zum Schwarzen Meer (Zeit müsste man haben), bis er das Radfahren für sich entdeckte und dann lieber durch die Türkei radelte. (http://www.tour-international-danubien.org/tour.php).

 


1986

1986 stand unsere Kanuabteilung mit 5.172 gefahrenen Kilometern an 4. Stelle des Bezirks von 14 Vereinen in Mittelfranken, darunter so namhafte Vereine wie Alpenverein Sektion Nürnberg, Sportgemeinschaft Siemens Erlangen, Kanuverein Nürnberg.

Ergebnis der Vereinswahl: Konrad Schweigert (zum letzten Mal), Kurt Gertler, Wanderwart Oskar Bollmann, WW Wanderwart Helmut Teubner, Kassenwart Jutta Gertler, Kassenprüfer Elfriede Wagner, Schriftführer Konrad Schweigert

Beim Schwimmfest der Stadt Heilsbronn beeindruckte die Kanuabteilung mit einer waghalsigen Vorführung. Ein Kanute stürzte sich vom Dreimeterbrett im Boot in das Schwimmbecken.

Schwimmfest 1986

Die wildwasserbegeisterte Jugend, Stefan und Bertram Knörr, Jürgen Spanner und Christine Schneider, befuhren immer wildere Gewässer: Obere Isar, Ammer, Lech, Loisach, Möll, Isel, Gail in Kärnten. Stefan Knörr fuhr allein 978 km auf Wildwasser. Er absolvierte einen Fahrtenleiterlehrgang, einen Wildwasserlehrgang auf der Lofer und wurde daraufhin zum WW-Sportwart gewählt. 1987 waren Stefan und Bertram Knörr bei Wildwasserlehrgängen auf der Bregenzer Ache und dem Lech unterwegs. Sie befuhren die Ammer, Isar, Loisach, Breitach, Iller, Inn, Imster Schlucht, Ostrach, Ötz, Rissbach, Tiroler Ache, Bregenzer Ache und den Lech.


1987 – 1988

Nach vielen Paddeljahren hatte man dann natürlich seine bevorzugten Gewässer ausgekundschaftet, die man immer wieder gerne befuhr wie die Altmühl, Alz, Chiemsee, Donau, Fränk. Rezat, Haslach, Isar, Ilz, Inn, Jagst, Main, Naab, Neckar, Pegnitz, Ölschnitz, Regen, Saale, Salzach, Schwarzach, Tauber, Tiroler Ache, Vils, Wiesent und die Wörnitz. Das Abpaddeln 1988 fand im neuen fränkischen Seenland statt von Ornbau über die alte Altmühl und den Nesselbach zum Altmühlsee, bei stärkstem Gegenwind über den Altmühlzuleiter aufwärts wieder zurück nach Ornbau.

Abpaddeln 1987
Bericht an den TVH
Hauptversammlung 1987

Helga Ehrlich bekam in diesem Jahr den neu von der Sparkasse gestifteten Wanderpokal für die meisten gefahrenen Kilometer.
Der Beitrag der Kanuabteilung zum Ferienprogramm 1988 am Weiterndorfer Weiher war bei den Kindern wieder sehr beliebt. Es fanden sich 30 Kinder ein, die in 18 Booten von 11 Betreuern auf dem Wasser ihre ersten Paddelerfahrungen sammeln konnten.

Kanuspass 1988

Konrad Schweigert stand nach 20 Jahren erfolgreicher Vereinsarbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Abteilungsleiter zur Verfügung. Während seiner Jahre als „Boss“ vergrößerte sich die Kanuabteilung von 10 Mitgliedern auf 46 Mitglieder, davon zwei Kinder.

Es war ihm immer wichtig, die Kontakte zur Vorstandschaft des Turnvereins zu pflegen, der die Kanuabteilung sehr viel Unterstützung zu verdanken hatte. Zum Wanderwart des Bayerischen Kanuverbandes, Hermann Gründel, und dem Jugendleiter Rolf Riedel sowie zu Rolf Kunze, Deutscher Kanuverband, hielt er engen Kontakt, um die Abteilung gut zu vernetzen (Dieses Wort kannte man damals noch gar nicht). Er konnte durch seine Begeisterung für den Kanusport andere motivieren und organisierte Wanderfahrten perfekt bis ins kleinste Detail. Er studierte Flusswanderführer und sondierte alle Übernachtungsmöglichkeiten. Alles wurde akribisch ausgearbeitet und den interessierten Paddlern weitergegeben.

20 Jahre Kanuabteilung 1988

Die Erlebnisse und Eindrücke auf diesen Fahrten bleiben allen unvergessen, der Zusammenklang von Sport, Natur, Kultur und das gemeinsame Erleben begeisterte alle…
Sollten sich in diesem Bericht unbeabsichtigt Ungenauigkeiten eingeschlichen haben, so sind wir für Hinweise und Anregungen immer dankbar. Gerne nehmen wir interessante Ergänzungen auf und bitten um Verständnis, wenn manche Details nicht erwähnt wurden. Es können leider nicht alle schönen Paddelerlebnisse von 20 Jahren wiedergegeben werden. Aber vergessen werden wir sie nicht!


Impressionen von der Abteilungsgründung bis 1988


1989 - 1993 Abteilungsleiterin: Helga Ehrlich

Bei der Jahreshauptversammlung am 18.3.1989 fanden Neuwahlen statt, die eine neue „Ära“ anbrechen ließen: Eine Frau als Abteilungsleiterin! Frau Helga Ehrlich, die seit 1975 der Kanuabteilung angehört, hat als begeisterte und begeisternde Paddlerin auf vielen Flüssen im In- und Ausland Kenntnisse und Erfahrungen und gesammelt, die sie für diese Aufgabe geradezu prädestinierten. Ihre guten Kontakte zu anderen Vereinen und zum Bayerischen Kanuverband waren ihr bei der Vereinsarbeit, die auch viel Verwaltungsarbeit beinhaltet, eine große Hilfe.

Neue Crew:

  • Abteilungsleiterin: Helga Ehrlich
  • Abteilungsleiter: Alfred Storch
  • Wandersportwart: Oskar Bollmann
  • Wildwassersportwart: Stefan Knörr
  • Schriftführer: Christine Hess
  • Kassenwart: Jutta Gertler
  • Kassenprüfer: Erika Roth

Die Abteilung bestand derzeit aus 46 Mitgliedern mit 40 Booten.

Für vier Jahre stand sie nun der Abteilung vor und pflegte weiterhin die eingeführten und beliebten Unternehmungen wie das Hallenbadtraining in Dietenhofen, die Karpfenwanderung zusammen mit dem Posaunenchor, die Ferienspaßaktion am Weiterndorfer Weiher, an der bis zu 48 Kinder teilnahmen, und die Bootstaufe.

Am 25.6.1989 fand wieder eine Bootstaufe statt: Kinderboot Little Joe, Taifun „Knurschel“, Bavaria 2-er „Strolch“, Einer „Sander“, Bavaria 2-er „Lu II“, 1-er „Schnucki“, Einer Taifun „Isar I“, Einer „Kathrin“, Einer „Gresu“. Welch interessante und phantasievolle Namen für Boote, was da wohl dahintersteckte?

Die Äquatortaufe erhielten Isabelle Wagner, Alfred Storch, Fritz Hess und Elke Kernstock. Über diese Bootstaufe, an der fast alle Kanumitglieder teilnahmen, wurde sogar im Bayerischen Kanusport und im Jahresbericht des Bayer. Kanu-Verbandes berichtet.

Zeitungsausschnitt zur Bootstaufe

Das Vereinspaddeln auf dem Oberen Main musste 1989 wegen schlechter Witterung ausfallen. Es wurden vorwiegend „Hausflüsse“ befahren, wie die Altmühl, Donau, Main etc. An Himmelfahrt nahmen 6 Kanuten an der Internationalen Isar Regatta teil. An Pfingsten wurde von vier Paddlern die Ilz mit benachbarten Flüssen befahren. An Fronleichnam wurden 107 km auf dem Regen von Blaibach bis Ramsau gepaddelt. 13 Paddler nahmen an der Fahrt teil. Isabelle Wagner fuhr mit 10 Jahren diese Strecke allein im Kinder-Einer, eine beachtliche Leistung. Den Taucherkrug erhielt Georg Kolb, der den Kanadier zum Kentern brachte. Da der Regen an dieser Stelle nur einen Meter tief war, konnte man das Boot gemütlich wieder an Land umdrehen…

Die Ferien-Aktion am Weiterndorfer Weiher war für mehr als 30 Kinder wieder ein Riesenspaß. In diesem Jahr wurden insgesamt 3.145 km gefahren.

Neben dem Kenterrollen-Training im Hallenbad Dietenhofen wurde 1990 der „Kanuten-Hock“ wieder aktiviert, um den Kontakt unter den Mitgliedern zu beleben. Die Kanuabteilung war wieder auf Flüssen im In- und Ausland vertreten, u. a. auf dem Main, der Altmühl, beim 18. Bayerischen Wanderfahrertreffen in Straubing, auf dem Lech und auf der Wörnitz. Bei der 18. Internationalen Schwentine-Kanurallye in Kiel konnten die Nordlichter erfahren, dass es einen TV Heilsbronn gibt. Es gab eine Rundfahrt auf den Plöner Seen und eine Überquerung der Kieler Förde.

Es fanden keine großen Vereinsfahrten auf Wildwasserflüssen statt. Insgesamt wurden 1.592 km gepaddelt, Oskar Bollmann erhielt mit 659 km den Wanderpokal.

Bericht zur Hauptversammlung 1990

Bei den Vereinswahlen 1991 wurde die bisherige Mannschaft in ihren Ämtern bestätigt. Als neue Schriftführerin wurde Christine Knörr, geb. Schneider, gewählt.

Auch in diesem Jahr wurden hauptsächlich nahe gelegene Flüsse wie die Altmühl, Wörnitz und Donau etc. befahren, Wildwasserfahrten fanden nicht statt. Von einigen Kanuten wurden die Reiseerleichterungen in die östlichen Länder genutzt. 1991 erkundete man Flüsse in Tschechien (die Moldau von Lenora bis Nova Pec, die Otava von Susice bis Horazdovice), in Polen die Masurischen Seen, in den „Neufünfländern“ stand die Elbe auf dem Programm. Fritz Hahn aus Muhr am See erhielt den Wanderpokal für 875 gefahrene Flusskilometer.

1992 fand die Vereinswanderfahrt im Mai auf der Alz, Inn und Salzach statt, ebenso nahm man am Paddel-Cup Überlingen teil und befuhr den Bodensee und den Rhein. Das Abpaddeln fand wie so oft auf der Donau auf der beliebten Strecke von Vohburg nach Kehlheim statt. Da gibt es nämlich eine altbekannte Einkehrmöglichkeit an der Fähre von Eining. Hier kann man sehr gut Forelle essen und noch besseren selbstgemachten Kuchen. Solche Stellen muss man einfach kennen und dieses wertvolle Wissen auch weitervererben. Neben diesen kulinarischen Genüssen ist natürlich der Donaudurchbruch das absolute Highlight dieser Strecke, immer wieder total beeindruckend mit seinen schroffen Felsen und (fast) unberührter Natur, wenn man die Ausflugsdampfer und Touristen ausblenden kann.

Für die Statistik: es wurden insgesamt 1.046 km gepaddelt, die Anzahl der Mitglieder in der Kanuabteilung sank auf 38 Personen.


Impressionen aus der Zeit 1989 - 1993


1993 – 1997: Abteilungsleiter Stefan Knörr

In der Jahreshauptversammlung am 13.3.1993 wurde eine neue Leitung der Kanuabteilung gewählt:

  • Abteilungsleiter: Stefan Knörr
  • Stellvertreter: Friedrich Heß
  • Wanderwart: Thom Skowron
  • Wildwassersportwart: Stefan Knörr
  • Schriftführerin: Christine Knörr
  • Kassenwartin: Jutta Gertler
  • Kassenprüferin: Erika Roth

Es waren 37 Erwachsene als Mitglieder und ein Jugendlicher gemeldet. Mit 435 gefahrenen Kilometern erhielt Helga Ehrlich den Wanderpokal.

Stefan Knörr kam schon als Jugendlicher zum Paddeln, zusammen mit seinem Bruder und anderen Freunden. Sie nahmen an Wildwasserlehrgängen teil und fuhren im Lauf der Jahre immer schwierigere Alpenflüsse. Seine spätere Frau Christine war ebenfalls begeisterte Paddlerin. So erkundeten sie, manchmal auch mit anderen Kanuvereinen zusammen, die wildesten Flüsse in den Alpen, aber auch z. B. die wunderschöne Tarn-Schlucht im Zentral-Massiv in Frankreich.

1993 und 1994 wurden folgende Flüsse befahren: Altmühl, Ammer, Bodensee-Kanu-Marathon, Donau, Obere Isar, Isar-Regatta, Lech, Main, Neckar, Regen, Rißbach, Salza, Wiesent.

Die Isar-Regatta wurde von 1921-1993 ausgetragen. Die Fahrt ging über 50 Kilometer von Bad Tölz bis zur Floßlände in München. 1924 waren 101 Teilnehmer aus vier Nationen gemeldet, 1977 wurde die Isar-Regatta als Kanu-Rallye in zwei Etappen mit rund 800 Teilnehmern ausgetragen. 1994 wurde diese Fahrt aus Naturschutzgründen verboten. Sie galt als Gedächtnisfahrt für den ersten Kajakfahrer in Deutschland, Alfred Heurich, der sich 1905 als junger Mann mit einem noch nie gesehenen Fahrzeug auf den Weg nach München machte: einem Faltboot, der „Hadern-Kahn“. Die damals großes Aufsehen erregende Fahrt gilt heute als Beginn der Faltbootfahrt, die schnell zum Volkssport avancierte. „Von der Isar aus hat das Faltboot ganz Deutschland erobert“. Das Leben des Alfred Heurich, der später zusammen mit Johann Klepper in Rosen-heim das Boot weiterentwickelte, war richtig spannend. (https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Heurich). Siehe auch MUH, 16. Ausgabe 2015, S. 30, „Der Hadern-Kahn“ von Klaus Bovers.

Den Bodensee-Kanu-Marathon gibt es seit 1982. Er fand in früheren Jahren nur jedes zweite Jahr statt, Ausrichter waren die verschiedenen Vereine des Bodensee-Kanu-Rings mit jeweils unterschiedlicher Streckenführung. Seit 2010 findet diese internationale Veranstaltung jährlich statt und zwar immer am gleichen Ort, auf der gleichen Strecke und zum gleichen Termin (ca. Mitte Juni, Umfahrung der Insel Reichenau, ca. 42 km).

Der Lech wurde im Eiskanal in Augsburg nicht nur befahren, sondern auch von Christine durchschwommen, um mit dieser Erfahrung des Kenterns ebenfalls umgehen zu können und nicht in Panik zu verfallen.

Bei Stefan wurde das altbewährte Hallenbadtraining sowie die Herbstwanderung beibehalten. Am 10. Juli 1994 fand wieder mal eine Bootstaufe statt, zugleich wurde das 25-jährige Bestehen der Kanuabteilung gefeiert. Die Karpfenwanderung wurde ebenso Jahr für Jahr unternommen.

1995 wurde die Vorstandschaft bestätigt, neu als Pressewart kam Reinhold Eschenbacher aus Sachsen dazu.

Folgende Flüsse wurden 1995 und 1996 befahren: Altmühl, Achensee, Ammer, Bodensee-Kanu-Marathon, Donau, Inn, Isar, Jagst, Lech, oberer Main, Möll, Naab, Ostrach, Pegnitz, fränkische Rezat, Rißbach, Salzach, Staffelsee, Steyrische Salza, Wiesent, Ziller.

1996 fand wieder eine Ferienspaßaktion mit 97 Kindern am Weiterndorfer Weiher statt, ebenso das Weiherfest anlässlich der 100-Jahrfeier des Turnvereins Heilsbronn.

Im Rückblick waren diese Jahre auf den Flüssen für Christine und Stefan aufregend und süchtig machend. Mit etwas Abstand lässt sich feststellen, dass man heute das Risiko nicht mehr eingehen würde. Es kam doch hin und wieder zu Verletzungen und Knochenbrüchen. Aber wenn man heute im Urlaub wieder mal an schnellen Gewässern steht, überlegt man immer noch, wie man da jetzt wohl die ideale Linie durch die Felsen nehmen würde.


1997 – 2013: Abteilungsleiter Johannes Heidingsfelder

1997 stand die bisherige Vorstandschaft aus beruflichen und privaten Gründen nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung. Der Fortbestand der Kanuabteilung stand auf der Kippe. Bei einer erneuten Wahl ergab sich:

  • 1. Vorstand: Johannes Heidingsfelder
  • 2. Vorstand: Friedrich Heß
  • Wanderwart: Reinhold Eschenbacher
  • Kassenwartin: Jutta Gertler

Damals wurde folgender Mitgliederstand festgehalten: 46 Erwachsene, 5 Jugendliche, 3 Schüler, 1 Kind. Insgesamt gefahrene Flusskilometer: 2301.

Nachfolger von Stefan Knörr wurde Johannes Heidingsfelder, genannt Jo. Als gelernter Landwirt brachte sich Jo ehrenamtlich in der offenen Jugendarbeit der Stadt Heilsbronn ein und qualifizierte sich zusätzlich in Erlebnispädagogik, speziell für Kajakfahren und Kanadier. Angeboten werden diese Kurse in einer vom Bayerischen Jugendring anerkannten Jugendbildungsstätte in Königsdorf in der Nähe von Bad Tölz. Seine Begeisterung für das Paddeln, besonders das Wildwasserfahren, war so groß, dass Jo fünf Jahre lang für den ganzen Landkreis eine Wildwasserwoche für Jugendliche ab 14 Jahren in Königsdorf anbot, was auf sehr große Resonanz stieß.

1997 wurde die Altmühl befahren und das beliebte Weiherfest veranstaltet. Von 1999 bis 2002 wurden folgende Flüsse befahren: 1999 Wiesent, 2000 Isar, Soca, 2001 Fichtelnaab, Saalach, Salza, 2002 Wiesent, Soca, Ammer, oberer Main, Isar, Salza.

Deutsche Rafting Meisterschaft 2002

Ein weiteres Highlight war die Teilnahme an der Deutschen Rafting Meisterschaft 2002 im Eiskanal von Augsburg. Die künstliche Wildwasser-Sportanlage wurde für die Olympischen Spiele 1972 eigens für den Wildwassersport konzipiert.

An zwei Wettkampftagen nahmen zwei Schlauchboote der Heilsbronner Kanuten teil, das Boot mit Jo, Bernd, Fritz und Bastian fuhr unter glücklichen Umständen Bestzeit und gewann einen Pokal. Auch das zweite Boot kam unter die ersten Drei. Vom Verein erhielt daraufhin die Kanuabteilung sieben neue Wildwasserboote in Zusammenarbeit mit dem Heilsbronner Jugendzentrum, die anlässlich einer weiteren Bootstaufe am Weiterndorfer Weiher eingeweiht wurden.

Die traditionellen Angebote der Kanuabteilung wurden all die Jahre in bewährter Weise weiter durchgeführt. Interessierte junge Wildwasserfahrer konnten Lehrgänge für Wildwasser besuchen bzw. auch einen Übungsleiterschein erwerben.

Bootfahren bei Wind und Wetter

Die Begeisterung für das Bootfahren war teilweise so groß, dass man sogar bei Schnee und Eis aufs Wasser ging. Legendär waren die Heilig-Drei-Königsfahrten z. B. auf der Wiesent, wo man die eingefrorenen Reißverschlüsse der Neoprenanzüge nur noch mithilfe heißen Tees aufkriegte. Im Winter wurde das traditionelle Hallenbadtraining fortgeführt. Wenn Schnee lag, wurde die Heimfahrt kurz bei Leonrod für Schlittenfahrten in den Booten unterbrochen. Autos durften da allerdings gerade nicht vorbeikommen. Das Bremsen mit den Booten gestaltete sich doch etwas schwierig.

Beliebte Paddelziele waren in dieser Zeit der Lech, Loisach, Salza, Gail (Osttirol-Kärnten), sächsische Saale und Unstrut, die Soca in Slowenien, die Waldnaab bei Hochwasser.

Eine sehr gefährliche Kanutour auf der Ammer bei Hochwasser bleibt allen noch tief im Gedächtnis. Es kam zu Kenterungen, Gott sei Dank ohne schlimmere Folgen. Es gehen die Gerüchte, dass einige Teilnehmer seitdem nie mehr in ein Boot gestiegen sind.

Auf dieser Fahrt trafen die Heilsbronner Kanuten einen ganz prominenten Paddler, den Kajak-Filmer Olaf Obsommer. Er blickt auf mehr als 30 Jahre Wildwasser-Erfahrung zurück, gesammelt auf den schwierigsten Flüssen der Erde. Zahlreiche Erstbefahrungen in Norwegen und im Alpenraum sind seinem Engagement zu verdanken. Olaf Obsommer gilt heute als einer der erfahrensten Expeditionsleiter der Welt. In Indonesien, Norwegen, Türkei, Malawi, Mexiko und Island gelangen ihm mit seinem Team spektakuläre Erstbefahrungen. Olaf Obsommer folgte der Einladung nach Heilsbronn, um vor vielen interessierten Zuhörern, die teilweise von weit angereist waren, einen Vortrag im Konventsaal zu halten und von seinen aufregenden Kanufahrten zu berichten.

2010 bis 2012 wurden folgende Flüsse befahren: Donau Jagst Mitte Februar, Imster Schlucht, Inn, Isar, Koritnica in Slowenien, Kössener Ache, Lech, Regen, vord. Rhein in der Schweiz, Salza, Sanna, Wiesent.

2013 gab Johannes Heidingsfelder das Amt des Abteilungsleiters nach all den Jahren auf, von denen er heute noch ganz begeistert erzählen kann. Das Wildwasserfahren wurde von ihm und einigen „jungen Wilden“ bevorzugt, während langjährige Wander-ahrer des Vereins ihre Paddelleidenschaft privat oder auf ausgeschriebenen Fahrten anderer Vereine oder des Bezirks auslebten.


2013 – 2017: Abteilungsleiter Alexander Heß

Alexander Heß war bereits in sehr jungen Jahren mit seinem Vater Friedrich Heß beim Paddeln dabei. Er entwickelte sich zum begeisterten Wildwasserfahrer und befuhr mit dem Team der jungen Wilden die spektakulärsten Wildwasserbäche in den Alpen. Unter Jo Heidingsfelder war Alex von 2009 bis 2013 der 2. Vorstand der Kanuabteilung. Im Jahr 2013 wurde er zum 1. Vorstand gewählt und hatte dieses Amt bis 2017 inne.

(Alexander links, Johannes rechts)

In den darauffolgenden Jahren wurden schwierigste Wildwasser befahren, Bilder geben davon nur eine ungefähre Atmosphäre wieder. Auf beigefügten Fotos kann man in etwa ermessen, was für wagemutigen Kanuten die Heilsbronner waren.

2013 und 2014 wurden folgende Flüsse befahren: Donau, Isar, Koritnica (Nebenfluss der Soca in den Julischen Alpen in Slowenien), Lech, Main, Neckar, Pegnitz, Rhein, Salza, Soca, Schwarzer Regen, Sprenicy (Nebenfluss der Soca), Wiesent.

Die Kanuabteilung beteiligte sich wieder am Freibadfest in Heilsbronn mit den Booten, um interessierten Kindern ein paar Runden auf dem Wasser drehen zu lassen.

Bau des Bootshauses 2014

Die Kanuabteilung hatte in all den Jahren kein eigenes Vereinsheim oder Bootshaus. Die Vereinsboote wurden in den ersten 20 Jahren bei Oskar im Sägewerk gelagert. Nach verschiedenen anderen Unterstellmöglichkeiten wurde am Ketteldorfer Eck ein Bootshaus in Holzkonstruktion auf einem stabilen Betonfundament und mit Formblechen verkleidet in Eigenleistung aufgebaut. Somit hat die Kanuabteilung ein eigenes Haus für ca. 30 Boote und Zubehör, darunter Wildwasserboote, Canadier, antike Faltboote aus den Anfangszeiten und etliche Boote von ehemaligen Kanuten, die ihre nicht mehr gebrauchten Boote der Kanuabteilung gerne für weitere Nutzung überließen.

2015 bis 2017 befahrene Flüsse: Ahr, Brombachsee, Donau, Drau, Isar, Lech, Main, Paar, Pegnitz, Regnitz, Rhein, Saale, Soca, Main (Zwetschgenkuchenfahrt), Werra, Wiesent.

Besichtigung der Fa. Prijon

Am Tag der offenen Tür am 26.2.2016 konnte der Betrieb der Fa. Prijon in Rosenheim besichtigt werden, die seit den 1960-er Jahren Kajaks herstellen: „Die Kajaks werden nach modernsten Gesichtspunkten in unserem Werk in Rosenheim hergestellt. Laufende Kontrollen in der Fertigung sichern eine gleichbleibend hohe Qualität. Mehr als 80% aller Komponenten, die in den Kajaks verbaut werden, kommen aus eigener Fertigung oder werden von Zulieferern in einem Radius von 100 km hergestellt. (Quelle: https://www.prijon.com/made-in-germany.html)

Am Heilsbronner Stadtweiher konnten am 17.7.2016 anlässlich des Festes der Nationen wieder neugierige Kinder mit den Booten erste Erfahrungen mit Kajaks machen und Spaß haben, ebenso am Freibadfest.

Rückblick von Alexander: „Besonders schön in dieser Zeit war für mich das Freiheitsgefühl, gerade frisch mit 18 Jahren den Autoführerschein und eine junge Truppe im Verein, die jede Menge Spaß am Wildwasserfahren hatte. Dieses Gefühl wollte ich dann als Vorstand an Jugendliche weitergeben und mit unseren Aktionen am Weiher, dem Schnuppertraining und Ferienspaß vermitteln“.


2017 – 2018: Abteilungsleiter Marcus Schweigert

2017 übernahm Marcus Schweigert die Leitung der Kanuabteilung. Mit großem Spaß engagierte er sich für Kinder und Jugendliche und setzte die jährlichen Traditionen der Stadt Heilsbronn, wie schon oft zitiert, fort. Es fanden Wanderfahrten auf der Donau, am Main, Isar zu Pfingsten, Lech, Saale, Werra nach Hochwasser und auf der Wiesent statt. Die Karpfenwanderung führte die Teilnehmer dieses Jahr um den Igelsbachsee.


Seit 2018: Abteilungsleiter Maximilian Kahanek

Im Jahr 2018 folgte Maximilian Kahanek als Abteilungsleiter. Die aktiven Kanuten befuhren 2018 und 2019 die Donau, Drau, Lech, Saale und Wiesent und machten eine Flussrundfahrt durch Bamberg. Da die Donaufahrt wegen drohenden Unwetters bei Eining abgebrochen wurde, besuchten die Paddler den Biergarten der Brauerei Kuchlbauer in Abensberg, berühmt durch das wohl letzte Bauwerk des berühmten Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Der Kuchlbauer Turm wurde nach den Entwürfen Hundertwassers errichtet. Das ganze Gelände der Brauerei ist dem Baustil von Hundertwasser nachempfunden und absolut sehenswert.

2019 erinnerte Maximilian in einem Beitrag in der Septemberausgabe der Vereinszeitung des Turnvereins an das 50-jährige Bestehen der Kanuabteilung (1969 – 2019). Er beschrieb kurz die Entwicklung der Abteilung von den Anfängen der Wanderfahrten bis zu den Wildwasserbefahrungen.

Die Anzahl der Vereinsboote hatte sich vervielfacht, im Bootshaus lagern Einer, Zweierboote und zahlreiche Kanadier.

Dank des Hauptvereins konnte 2019 ein neuer Bootsanhänger angeschafft werden, auf dem nunmehr Boote verkehrstechnisch sicherer transportiert werden können.

Die aktiven Kanufahrer waren im Lauf der Jahre auf eine kleine Truppe zusammengeschmolzen. Das klassische Wanderfahren geriet immer mehr in den Hintergrund, das Wildwasserfahren reizte die jungen Leute mehr. Da im Lauf der Jahre das Angebot an „Outdooraktivitäten“ sehr stark zugenommen hatte, verlor das Kanufahren viele interessierte Sportler an Sportarten, die weniger aufwendig und schneller durchzuführen sind, als das Paddeln mit seinen oft sehr langen Anfahrtswegen und vorausgehenden Planungen und Vorbereitungen.

Der Kanuabteilung ist es zu wünschen, dass sich junge Menschen auch weiterhin für das Erleben einer Flussfahrt begeistern können, das mit einem sehr intensiven Genießen der Natur verbunden sein kann. Man muss nur alle Sinne dafür freimachen.

Elfriede Wagner, geb. Schweigert

(Wenn Sie interessante Fotos zur Vereinsgeschichte beitragen möchten, senden Sie diese gerne an den Abteilungsleiter.)

Abteilungsleitung

FunktionAnsprechpartnerTelefonEmail
Abteilungsleiter Maximilian Kahanek 09872 / 805949
(Kontakt über Geschäftsstelle)
 
Fahrten- und
Gerätewart
Bernd Forster 09872 / 51693